Hessischer IHK-Schulpreis - Prämierte Projekte
Mit dem IHK-Schulpreis zeichnen die hessischen Industrie- und Handelskammern Schulprojekte aus dem ganzen Land aus, die eine frühzeitige und praxisnahe berufliche Orientierung fördern. Die Gewinner-Projekte zeigen, wie abwechslungsreich eine gute berufliche Orientierung stattfinden kann und können anderen Schulen als Inspiration dienen.
Prämierte Schulen 2025
Auf der Homepage des Hessischen Industrie- und Handelskammertages finden Sie zeitnah Fotos von der feierlichen Preisverleihung mit Kultusminister Armin Schwarz. Nachfolgend befinden sich die Projektbeschreibungen der 2025 prämierten Schulen:
- Erich-Kästner-Schule, Alsfeld (Projekt: Mit Hammer, Herz und Hand – mitten im echten Leben)
- Georg-Ackermann-Schule, Breuberg (Projekt: Ausbildungsprojekt)
- Karl-Preising-Schule, Bad Arolsen (Projekt: Lernnetzwerk)
- Alexander-von-Humboldt-Schule, Viernheim (Projekt: Solarcamp Viernheim)
- Johann-Textor-Schule, Haiger (Projekt: SchulePlus & Theorie)
- Von-Galen-Schule, Eichenzell (Projekt: Job-Roulette)
- Albert-Einstein-Schule, Groß-Bieberau (Projekt: BO in der E-Phase – Brücke zwischen Schule und Wirtschaft)
- Justus-Liebig-Schule, Darmstadt (Projekt: Schülercafé)
- Lichtenberg-Oberstufengymnasium, Bruchköbel (Projekt: Modulares Berufsorientierungskonzept für die Oberstufe)
Erich-Kästner-Schule, Alsfeld (Projekt „Mit Hammer, Herz und Hand – mitten im echten Leben“)
Zielgruppe: Förder-/Hauptschule
Das Projekt „Mit Hammer, Herz und Hand – mitten im echten Leben“ ermöglicht Jugendlichen der Erich‑Kästner‑Schule praxisnahe Berufsorientierung über einen längeren Zeitraum und direkt in realen Arbeitsumgebungen. In Kooperation mit der Geschwister‑Scholl‑Schule sowie regionalen Partnern wie Kompass Leben e. V. und verschiedenen lokalen Handwerks- und Pflegeeinrichtungen arbeiten die Schülerinnen und Schüler über mehrere Wochen in echten Werkstätten, Kreativbereichen und sozialen Einrichtungen mit.
Zu Beginn wählen die Jugendlichen eines von drei Projekten – Handwerk, Kreatives oder Soziales – entsprechend ihrer Interessen. Die Angebote stehen allen Jahrgängen offen und wachsen so inklusiv über die eigentlichen Kooperationsklassen hinaus. Die Jugendlichen gestalten Produkte und Leistungen mit unmittelbarem gesellschaftlichen Nutzen: selbstgebaute Sitzmöbel für den Schulhof, genähte Produkte für Märkte oder unterstützende Tätigkeiten in der Altenpflege. Jedes Ergebnis ist sichtbar, wertschöpfend und stärkt die Selbstwirksamkeit der Lernenden.
Begleitet durch Förderschullehrkräfte und durch Fachkräfte aus Handwerk, Pflege und Kreativwirtschaft erwerben die Jugendlichen fachpraktische Fähigkeiten und Schlüsselkompetenzen wie Teamarbeit, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Sie erleben reale Arbeitsprozesse, erhalten authentische Einblicke in Berufsbilder und lernen in Gesprächen mit Mitarbeitenden auch Ausbildungswege kennen – bewusst nicht überbetont, aber kontinuierlich präsent.
Der Unterricht ist als eigenes Fach „Berufsorientierung“ verankert, jahrgangs- und fächerübergreifend organisiert und wird jährlich partizipativ weiterentwickelt. Durch die enge Verzahnung mit regionalen Partnern und die Möglichkeit, verschiedene Projekte auszuprobieren, entsteht eine ganzheitliche, nachhaltige und lebensweltnahe Berufsorientierung.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Kontinuierliche Mitarbeit in Handwerk, Pflege und Kreativbereichen schafft authentische Praxiserfahrungen über längere Zeiträume – weit über klassische Praktikumsmodelle hinaus.
- Die Jugendlichen übernehmen echte Aufgaben mit sichtbarem Nutzen und erleben dadurch hohe Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Relevanz.
Breite, realitätsnahe Einblicke in regionale Berufsfelder, inklusive niedrigschwelliger Gespräche über Ausbildungswege, unterstützen eine individuelle, wirksame Orientierung.
Georg-Ackermann-Schule, Breuberg (Projekt „Ausbildungsprojekt“)
Zielgruppe: Förder-/Hauptschule
Im Ausbildungsprojekt der Georg‑Ackermann‑Schule arbeiten ausgewählte Schülerinnen und Schüler mehrere Tage lang an konkreten kommunalen Aufgaben und erhalten dabei Einblicke in handwerkliche und technische Berufsfelder. In Zusammenarbeit mit der Stadt Breuberg, dem städtischen Bauhof, dem Forstbetrieb sowie regionalen Partnerbetrieben übernehmen die Jugendlichen praktische Tätigkeiten in Bereichen wie Garten‑ und Landschaftsbau, Holz‑ und Metallbearbeitung oder Forstwirtschaft.
Die Arbeit findet direkt vor Ort statt – beispielsweise auf Baustellen, Grünflächen oder im Bauhof. Unter fachlicher Anleitung gestalten die Jugendlichen Orte im Stadtgebiet, deren Ergebnisse dauerhaft sichtbar bleiben. Dazu zählen neu angelegte Sitzbereiche, gepflegte Wege oder – wie im aktuellen Projektjahr – die Gestaltung eines Aussichtspunkts mit einer „Riesenschaukel“. Begleitende Betriebsbesichtigungen, etwa bei der Aulbach Automation GmbH oder der Gärtnerei Löwer, ergänzen diese Erfahrungen.
Die Schülerinnen und Schüler erleben dabei verschiedene Gewerke in einem zusammenhängenden Projekt und lernen Anforderungen, Arbeitsweisen und Werkzeuge praxisnah kennen. Lehrkräfte und Fachkräfte begleiten sie eng, geben Rückmeldungen zu Arbeitsschritten und fördern individuelle Kompetenzen. Die Schulgemeinde ist eingebunden, unter anderem durch Präsentationen der Ergebnisse und die Beteiligung von Eltern.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Die Jugendlichen arbeiten an realen kommunalen Aufgaben und erhalten dadurch sehr praxisnahe Einblicke in handwerkliche und technische Berufsfelder.
- Die Ergebnisse ihrer Arbeit bleiben im Stadtbild dauerhaft sichtbar und vermitteln Verantwortung, Wertschätzung und Selbstwirksamkeit.
Durch die Einbindung verschiedener Gewerke entstehen vielfältige Anknüpfungspunkte, die insbesondere für die Zielgruppe der Förderschülerinnen und ‑schüler gut zugänglich sind.
Karl-Preising-Schule, Bad Arolsen (Projekt „Lernnetzwerk“)
Zielgruppe: Förder-/Hauptschule
Das Lernnetzwerk der Karl‑Preising‑Schule verbindet schulische Vorbereitung, praktische Erfahrungen und externe Kooperationen in einem mehrstufigen Berufsorientierungsmodell für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. In schuleigenen Werkstätten, in der Küche und im hauswirtschaftlichen Bereich erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende handwerkliche und organisatorische Kompetenzen und werden auf den Einsatz in Betrieben vorbereitet.
Alle Jugendlichen absolvieren jährlich mehrere Praktika, die fest im Schuljahresplan verankert sind. Für einzelne Schülerinnen und Schüler werden längerfristige Dauerpraktika in regionalen Betrieben ermöglicht, etwa im Handwerk, im Gartenbau, in der Gastronomie, in Pflegeeinrichtungen oder in Verwaltungsbereichen. Begleitende Reflexionsgespräche sichern die Auswertung der Erfahrungen und unterstützen individuelle Lernwege.
Das Projekt arbeitet mit einem breiten Netzwerk zusammen – darunter regionale Unternehmen, die Agentur für Arbeit, das Berufsbildungswerk sowie die Werkstatt für behinderte Menschen. Die Jugendlichen lernen dadurch unterschiedliche berufliche Tätigkeiten und Arbeitsanforderungen kennen und können ihre Stärken in verschiedenen Praxisfeldern zeigen. Betriebe erhalten zugleich Einblicke in das Potenzial der Jugendlichen, was Übergänge in Ausbildung erleichtert.
Das Lernnetzwerk ist fächerübergreifend organisiert und wird von einem multiprofessionellen Team aus Lehrkräften, Pädagoginnen und Handwerksmeistern begleitet. Schulgemeinde und Eltern sind eingebunden, und durch gemeinsame Projekte entstehen auch im schulischen Umfeld sichtbare Arbeitsergebnisse. Das Modell ist fest im Schulalltag verankert und wird anhand von Rückmeldungen der Betriebe sowie Übergängen in Ausbildung regelmäßig weiterentwickelt.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Regelmäßige Praktika und Dauerpraktika ermöglichen praktische Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern und unterstützen individuelle Entwicklungsschritte.
- Die Kombination aus Werkstattarbeit, multiprofessioneller Begleitung und Kooperation mit mehreren regionalen Partnern schafft ein eng verzahntes, realitätsnahes Unterstützungsnetzwerk.
Durch die Zusammenarbeit mit Betrieben, Förderinstitutionen und der Agentur für Arbeit entstehen nachhaltige Perspektiven für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf.
Alexander-von-Humboldt-Schule, Viernheim (Projekt „Solarcamp Viernheim“)
Zielgruppe: Realschule
Im Solarcamp Viernheim erhalten Realschülerinnen und Realschüler der Alexander‑von‑Humboldt‑Schule in einem zweiwöchigen Praxisprojekt Einblicke in handwerkliche Tätigkeiten rund um Photovoltaik und Dachkonstruktion. In Zusammenarbeit mit regionalen Fachbetrieben aus den Bereichen Dachdeckerei, Zimmerei sowie Energie- und Gebäudetechnik bauen die Jugendlichen Musterdächer auf und statten diese mit Photovoltaik‑Modulen und Wechselrichtern aus. Dabei werden Grundlagen aus Technik und Physik unmittelbar mit praktischen Arbeitsschritten verknüpft.
Die Jugendlichen arbeiten unter Anleitung von Fachkräften und erleben typische Abläufe im Handwerk, vom Aufbau einer Dachkonstruktion über die Installation moderner PV‑Systeme bis zur Fehlersuche. Digitale Werkzeuge – etwa VR‑Brillen zur Simulation elektrotechnischer Grundlagen – ergänzen die Übungen und geben einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der Arbeitswelt. Durch die Kombination verschiedener Gewerke erhalten die Teilnehmenden ein vielseitiges Bild der beruflichen Möglichkeiten im Bereich erneuerbare Energien.
Das Solarcamp wird von lokalen Handwerksbetrieben, einem Bildungsträger und der Kommune unterstützt und wurde gemeinsam mit Lehrkräften, Sozialarbeit und der Schülerfirma „Energie Agentur“ entwickelt. Es ist fächerübergreifend angebunden und verbindet Inhalte aus Technik, Physik, Arbeitslehre sowie Politik und Wirtschaft. Ergebnisse und Arbeitsprozesse werden innerhalb der Schulgemeinde präsentiert und in weitere Angebote wie AGs oder Klassenprojekte eingebunden.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Durch praktische Arbeit an Musterdächern und PV‑Systemen erhalten die Jugendlichen realitätsnahe Einblicke in handwerkliche Berufsprofile und in ein zukunftsrelevantes MINT‑Themenfeld.
- Die Zusammenarbeit mit Fachbetrieben aus verschiedenen Gewerken macht typische Abläufe und Anforderungen sichtbar und unterstützt die Orientierung im Bereich erneuerbare Energien.
Die Verbindung von Theorie, Praxis und digitalen Werkzeugen vermittelt einen aktuellen Stand der Technik und stärkt das Verständnis für Energie‑ und Klimaberufe.
Johann-Textor-Schule, Haiger (Projekt „SchulePlus & Theorie“)
Zielgruppe: Realschule
Die Johann‑Textor‑Schule wurde bereits beim vorherigen Hessischen IHK‑Schulpreis für ihr Projekt SchulePlus ausgezeichnet. Mit SchulePlus & Theorie legt die Schule nun eine überzeugende Weiterentwicklung des prämierten Konzepts vor. Die Ergänzung stärkt die Verbindung von Praxis und Theorie und schafft einen noch realistischeren Einblick in duale Ausbildungswege.
Im bestehenden SchulePlus‑Modell arbeiten die Jugendlichen im Vorabgangs- und Abgangsjahr wöchentlich in einem Unternehmen und erleben dort typische Arbeitsprozesse eines gewählten Berufsfelds. Das neue Theorieangebot erweitert diese Praxiserfahrungen um eine zweijährige Schulung im Wahlpflichtunterricht. In Kursen wie Metall, Elektro und CAD vermitteln Auszubildende aus kooperierenden Betrieben Inhalte aus dem ersten Lehrjahr. Eine Lehrkraft begleitet die Kurse pädagogisch und fachlich.
Die Jugendlichen wenden das Gelernte unmittelbar in ihren wöchentlichen Praxiseinsätzen an. Fragen und Erfahrungen aus dem Betrieb werden in den Theoriestunden aufgegriffen, reflektiert und weiter vertieft. So entsteht ein kontinuierlicher Austausch zwischen Schule, Ausbildenden und Auszubildenden, der einen besonders authentischen Einblick in Arbeitsanforderungen, Lernprozesse und technische Entwicklungen ermöglicht.
Die Johann‑Textor‑Schule kooperiert mit über 100 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Neben den regulären Praxis- und Theoriephasen entstehen zusätzliche Projekte, etwa Live‑Übertragungen technischer Arbeitsabläufe, 3D‑Druck von betrieblichen Anlagen oder themenspezifische Workshops. Das Projekt ist fest im Schulalltag verankert und von den Schülerinnen und Schülern frei wählbar.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Die Kombination aus Theorie und Praxis ermöglicht einen Einblick, der dem Start in eine duale Ausbildung sehr nahekommt und den Jugendlichen hilft, berufliche Entscheidungen fundiert zu treffen.
- Durch die Anleitung durch Auszubildende entsteht ein Peer‑to‑Peer‑Lernsetting, das realistische Anforderungen vermittelt und zugleich niedrigschwellig Zugang zu Fragen rund um Berufsbilder und Karrierewege bietet.
Die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen sowie die Erweiterung um zusätzliche Projekte schaffen vielfältige Einblicke in technische und gewerbliche Ausbildungsberufe.
Von-Galen-Schule, Eichenzell (Projekt„Job-Roulette“)
Zielgruppe: Realschule
Beim Projekt Job‑Roulette der Von‑Galen‑Schule erhalten die Jugendlichen Einblicke in verschiedene Berufsfelder, indem sie per Zufallsprinzip einem regionalen Unternehmen zugeordnet werden. Die Zuteilung erfolgt spielerisch — über ein Losverfahren mit Softbällen und einer digitalen Roulette‑Anzeige — und eröffnet damit auch Berufe, die außerhalb der bisherigen Vorstellungshorizonte der Schülerinnen und Schüler liegen.
Über 20 regionale Unternehmen beteiligen sich mit einem zweitägigen Kurzpraktikum, in dem die Jugendlichen betriebliche Abläufe, Tätigkeiten und duale Ausbildungswege kennenlernen. Die Schule arbeitet dabei eng mit der Mediengruppe Parzeller zusammen, die die Abstimmung mit den Betrieben koordiniert und die mediale Begleitung des Projekts übernimmt. Die Schule übernimmt die pädagogische Vorbereitung und Einbindung der Eltern.
Im Arbeitslehreunterricht werden die Erfahrungen ausgewertet. Die Jugendlichen präsentieren ihre Eindrücke anhand von Social‑Media‑Reels, Kurzfilmen und Zeitungsbeiträgen. Diese mediale Nachbereitung unterstützt nicht nur die Reflexion, sondern macht die Vielfalt der Berufe im privaten Umfeld sichtbar und fördert Gespräche über Ausbildungswege. Die hohe Reichweite der Beiträge führt dazu, dass neue Betriebe auf die Schule zukommen und sich als Kooperationspartner melden.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Das Zufallsprinzip ermöglicht Einblicke in Berufe außerhalb der eigenen Erwartung und fördert Offenheit gegenüber neuen Tätigkeitsfeldern und Branchen.
- Durch Kurzpraktika und persönliche Kontakte lernen die Jugendlichen betriebliche Abläufe kennen und setzen sich mit Anforderungen und Perspektiven dualer Ausbildung auseinander.
Die mediale Aufbereitung der Erfahrungen stärkt Selbstreflexion, Austausch in der Schulgemeinde und Sichtbarkeit regionaler Ausbildungswege.
Albert-Einstein-Schule, Groß-Bieberau (Projekt „BO in der E-Phase – Brücke zwischen Schule und Wirtschaft“)
Zielgruppe: Gymnasium / FOS / Berufliches Gymnasium
Mit dem Unterrichtsfach „Berufsorientierung“ schafft die Albert‑Einstein‑Schule ein verbindliches und systematisch aufgebautes Angebot, das die Einführungsphase der Oberstufe eng mit Wirtschaft, Hochschulen und Institutionen verzahnt. Das Fach wird zweiwöchentlich als benotete Doppelstunde für alle Klassen parallel unterrichtet und ist fest im Curriculum der E‑Phase verankert. Der Umfang, die Verbindlichkeit und die curriculare Einbettung sind für eine gymnasiale Oberstufe außergewöhnlich und verleihen der beruflichen Orientierung einen Stellenwert, der deutlich über das an vielen Gymnasien übliche Maß hinausgeht. Es verbindet Kompetenzanalyse, Recherche, Expertenkontakte und ein zweiwöchiges Betriebspraktikum zu einem ganzheitlichen BO‑Konzept, das Schülerinnen und Schüler frühzeitig in ihrer Studien- und Berufswahl unterstützt.
Zu Beginn steht eine individuelle Kompetenzanalyse (CheckU), gefolgt von eigenständigen Recherchen zu Studien- und Berufswegen, Experteninterviews und der Vorbereitung auf das zweiwöchige Praktikum. Dieses ermöglicht Einblicke in betriebliche Abläufe, moderne Arbeitsformen und unterschiedliche Karrierewege; seine Auswertung erfolgt im Rahmen eines Assessment‑Centers. Bewerbungstrainings, Hochschul- und Berufsinformationstage, der Einsatz digitaler Tools sowie das BO‑Café, bei dem Eltern und Ehemalige von ihren beruflichen Wegen berichten, ergänzen das Angebot. Ein persönliches Portfolio begleitet die Lernenden kontinuierlich.
Die Schule kooperiert hierfür mit zahlreichen regionalen Unternehmen, Hochschulen, Verwaltungen und der Agentur für Arbeit. Die fächerübergreifende Anlage des Faches sowie die aktive Einbindung der gesamten Schulgemeinde – von Lehrkräften über Eltern bis hin zu Alumni – tragen zu einer breiten und nachhaltig wirksamen Orientierung bei.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Die feste curriculare Verankerung und der hohe zeitliche Umfang schaffen für die gymnasiale Oberstufe ein außergewöhnlich umfassendes und verbindliches Orientierungsangebot.
- Das zweiwöchige Betriebspraktikum, begleitet von Kompetenzanalyse, Bewerbungstraining, Expertenkontakten und Portfolioarbeit, verknüpft schulische Vorbereitung mit realen Einblicken in Wirtschaft und Hochschulen.
Die breite Kooperation mit Eltern, Ehemaligen und externen Partnern eröffnet vielfältige Perspektiven und unterstützt eine reflektierte Studien- und Berufswahl.
Justus-Liebig-Schule, Darmstadt (Projekt „Schülercafé“)
Zielgruppe: Gymnasium / FOS / Berufliches Gymnasium
Das Schülercafé der Justus‑Liebig‑Schule ist eine seit über zehn Jahren etablierte Schülerfirma, die vollständig von 40 bis 50 Schülerinnen und Schülern der Q‑Phase betrieben wird. Die Jugendlichen übernehmen reale betriebswirtschaftliche Aufgaben – von Buchhaltung und Einkauf über Personalplanung bis hin zu Marketing, Organisation und Verkauf. Damit bildet das Projekt ein komplettes Geschäftsjahr ab und bietet für eine gymnasiale Oberstufe eine ungewöhnlich umfassende und praxisnahe Form ökonomischer Bildung.
Zu Beginn wählen die Teilnehmenden eine dreiköpfige Geschäftsführung, die operative und finanzielle Verantwortung trägt und ein eigenes Konto verwaltet. Die weiteren Mitarbeitenden übernehmen vielfältige Aufgabenbereiche. Neben dem täglichen Pausenverkauf bewirtet das Schülercafé Schulveranstaltungen und organisiert eigene Formate wie Partys oder Thementage. Hygieneschulungen, Lieferantenkontakte und Sortimentsplanung ergänzen den praktischen Einblick in Unternehmensabläufe.
Das Projekt ist in der Q‑Phase verankert und wird über ein ganzes Jahr hinweg durchgeführt. Zwei Lehrkräfte begleiten die Jugendlichen pädagogisch und organisatorisch, der Förderverein unterstützt strukturell. Die Schulgemeinde ist über Veranstaltungen und Informationsangebote eng eingebunden. Durch die Größe der Gruppe, die langfristige Struktur und die realitätsnahen Verantwortungsbereiche werden betriebliche Entscheidungsprozesse besonders anschaulich erfahrbar.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Die Übernahme echter betriebswirtschaftlicher Aufgaben ermöglicht Einblicke in Finanzen, Personalmanagement, Organisation und Marketing unter realen Bedingungen.
- Die Struktur über zwei Q‑Phasen hinweg und die große Zahl der Beteiligten schaffen ein differenziertes Lernfeld, in dem verschiedene Rollen und Verantwortungsbereiche erprobt werden können.
- Kundennähe und Veranstaltungsorganisation fördern kommunikative und organisatorische Kompetenzen und unterstützen die Entwicklung beruflicher Perspektiven.
Für eine gymnasiale Oberstufe ist die Tiefe und Professionalität des Projekts außergewöhnlich: Die Schülerfirma bildet ein vollständiges Geschäftsjahr mit realen Verantwortlichkeiten ab und bietet damit eine Praxisnähe, die in dieser Schulform selten erreicht wird – ein zentraler Grund für die Auszeichnung.
Lichtenberg-Oberstufengymnasium, Bruchköbel (Projekt „Modulares Berufsorientierungskonzept für die Oberstufe“)
Zielgruppe: Gymnasium / FOS / Berufliches Gymnasium
Das Lichtenberg‑Oberstufengymnasium hat ein modulares Berufsorientierungskonzept entwickelt, das den gesamten Oberstufenverlauf begleitet und Schülerinnen und Schüler systematisch auf ihre Studien- und Berufswahl vorbereitet. Der Ansatz reagiert auf die Beobachtung, dass klassische Praktika teils unzureichend vorbereitet oder nicht angetreten wurden. Stattdessen setzt die Schule auf ein mehrteiliges Modell, das schulische Vorbereitung, externe Expertise und praktische Erfahrungen in klar strukturierten Modulen verzahnt.
Für die gymnasiale Oberstufe ist dieser breit angelegte, differenzierte Aufbau besonders hervorzuheben, da er unterschiedliche Wege nach dem Abitur sichtbar macht und Orientierung über verschiedene Berufsfelder hinweg ermöglicht – ein Aspekt, den die Jury ausdrücklich als Stärke benannt hat.
In zwei schulinternen BSO‑Tagen analysieren die Jugendlichen ihre Interessen und Stärken und absolvieren ein professionelles Bewerbungstraining inklusive Assessment‑Center. Es folgt der Tag „Berufsfelder aus erster Hand“, bei dem Referentinnen und Referenten aus Industrie, Verwaltung, Hochschule und öffentlichem Dienst über Ausbildungswege und Berufsbilder informieren. Ergänzend besuchen die Schülerinnen und Schüler Unitage an Hochschulen der Region, um sich über Studiengänge, Bewerbungsverfahren und Studienbedingungen zu informieren.
Das einwöchige Praktikum vor den Herbstferien wird im Unterricht nachbereitet und fließt als Klausurersatzleistung ein. Weitere Module sind der Informationstag „Freiwilligendienste und Ehrenamt“ sowie ein Unternehmerworkshop, der Einblicke in Unternehmensführung, Marketing, Finanzen und Qualitätssicherung vermittelt.
Alle Bausteine sind im Klassenverband verankert und werden jährlich evaluiert. Die Einbindung von Eltern, Ehemaligen, Ehrenamtsorganisationen, Hochschulen und regionalen Betrieben schafft ein verlässliches und breit vernetztes Orientierungsangebot. Dass in einigen Modulen Hochschulen besonders präsent sind, ist Teil des Profils der Schule, deren Oberstufenschülerinnen und ‑schüler sich überwiegend in einer akademischen Entscheidungsphase befinden.
Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?
- Das modulare Konzept ermöglicht eine systematische und zielgruppengerechte Auseinandersetzung mit Berufs‑ und Studienwegen und wurde von der Jury als besonders stimmig für ein Oberstufengymnasium hervorgehoben.
- Individuelle Stärkenanalyse, Bewerbungstraining, Referentenbesuche und Praktikum verknüpfen schulische Vorbereitung mit authentischen Einblicken in unterschiedliche Berufsfelder – von dualer Ausbildung über Studium bis hin zu Freiwilligendiensten.
Die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben, Hochschulen, Ehrenamtsorganisationen, Eltern und Ehemaligen bietet ein breites Spektrum an Orientierungsimpulsen und unterstützt eine reflektierte, fundierte Studien- und Berufswahl.
Prämierte Schulen 2023
Auf der Homepage des Hessischen Industrie- und Handelskammertages finden Sie Fotos von der feierlichen Preisverleihung mit Kultusminister Armin Schwarz. Nachfolgend befinden sich die Projektbeschreibungen der 2023 prämierten Schulen:
- Gallus-Schule, Grünberg (Projekt: Startklar)
- Mittelpunktschule, Dautphetal (Projekt: Schüler schnuppern Praxisluft)
- Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, Großenlüder (Projekt: Praxistagbörse)
- Adolf-Reichwein-Schule, Pohlheim (Projekt: ARS-Eventagentur)
- Werner-von-Siemens-Schule, Wiesbaden (Projekt: Einwöchiges Berufsorientierungsseminar)
- Johann-Textor-Schule, Haiger (Projekt: SchulePlus)
- Max-Planck-Gymnasium, Groß-Umstadt (Projekt: Digikids)
Die Kurzbeschreibungen der Schulprojekte, die am 26. Februar 2024 beim 17. Hessischen IHK-Schulpreis prämiert wurden, erhalten Sie auf Anfrage über unser Mailadresse im untenstehenden Footer.
Prämierte Schulen 2022
- Anne-Frank-Schule, Dieburg (Projekt: Fit for Job)
- Gutenbergschule, Darmstadt (Projekt: Zukunft GUT GEMEINSAM gestalten)
- Ederseeschule, Herzhausen (Projekt: Horizont erleben)
- Hinterlandschule, Standort Breidenbach (Projekt: Erweiterte Praktikumsphasen)
- Konrad-Haenisch-Schule, Frankfurt (Projekt: Mach’ deinen eigenen Song)
- IGS Nordend, Frankfurt (Projekt: KI-Woche)
- Carl-Bantzer-Schule, Schwalmstadt (Projekt: Job-Interviews)
- Europäische Schule RheinMain, Bad Vilbel (Projekt: Digitale Plattform zur beruflichen Orientierung)
- Hohe Landesschule, Hanau (Projekt: Datenbank für Praktikumsbetriebe)
Die Kurzbeschreibungen der Schulprojekte, die am 15. Dezember 2022 beim 16. Hessischen IHK-Schulpreis prämiert wurden, erhalten Sie auf Anfrage über unser Mailadresse im untenstehenden Footer.
Prämierte Schulen 2021
- Hinterlandschule Außenstelle Biedenkopf (Projekt: Tagespraktika für Sprachintensivklassen)
- Gesamtschule Edertal (Projekt: Halbjährige Betriebsbesuche mit Auftaktveranstaltung)
- Dr.-Georg-August-Zinn-Schule, Gudensberg (Projekt: Roboter-AG)
- Holderbergschule, Eschenburg (Projekt: Power4School - Schüler:innen entdecken Energie)
- Erich Kästner-Schule, Bürstadt (Projekt: Kulinarische Chemie)
- Edertalschule, Frankenberg (Projekt: Young Engineer Academy)
- Gymnasium Oberursel (Projekt: Mechatronik AG)
- Johanneum-Gymnasium, Herborn (Projekt: Begabtenförderung Informatik)
Die Kurzbeschreibungen der Schulprojekte, die am 15. Dezember 2022 beim 15. Hessischen IHK-Schulpreis prämiert wurden, erhalten Sie auf Anfrage über unser Mailadresse im untenstehenden Footer.
